Von der Kunst, einen Fehler zu machen: Der Tod ist die schnellste Heilung

Im Sommer vor ein paar Jahren überquerte ich fast den Jordan. Und das, obwohl ich mich weder an einem Fugu-Buffet vergriffen habe, noch beim Moorschnorcheln eine giftige Baumwanze inhalierte. Ich habe eigentlich gar nichts Fahrlässiges gemacht, außer mich gegen meine Muskelverspannungen in die linke Schulter spritzen zu lassen.

Bis zu jenem Schicksalssommer konnten mich auch die gehässigsten Sensationsberichte über zurückgelassene OP-Tücher in Bauchräumen und versehentlich amputierte Gliedmaßen nicht davon abbringen, für Doktoren aller Art zu schwärmen.

Am 18. Juni 2006 aber musste ich erleben, was genau zu einem vorbildlich durchgeführten Kunstfehler gehört. Eine Erfahrung, die man in etwa so gut gebrauchen kann, wie ein akutes Gesichtsödem im Passbildautomaten. Natürlich gibt es auch echte Koryphäen unter den Ärzten, die sich ihre Freude am erfolgreichen Heilen weder von transpirierenden Hornhautfüßen, noch von Hausmacher Leberwurstgrieben in Karieslöchern oder dunkelbraunen Polyester-Fusselresten in warmen Poritzen verderben lassen.

Auch von ihnen handelt dieses Buch, denn wie sagte schon Eugen Roth:

Leicht sieht ein jeder, der nicht blind,
wie krank wir, trotz der Ärzte sind.
Doch nie wird man die Frage klären,
wie krank wir ohne Ärzte wären.